Mittwoch, 17. Januar 2018

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Gardasee: Entstehung einer religiösen Tradition

DER KREUZWEG "VIA CRUCIS" VON CASTELLETTO DI BRENZONE

Die Kreuzwegsprozession ("Via Crucis") von Brenzone entstand im Jahre 1972 auf Initiative von Erich Rausch, deutscher Staatsbürger, wohnhaft in der Gemeinde Brenzone, mit Unterstützung des damaligen Präsidenten des Fremdenverkehrsamts Sergio Vernesoni.
Der schon im Vorjahr gereifte Gedanke war, verschiedene Stationen des Kreuzwegs durch eindrucksvolle Szenen nachzuvollziehen. Personen in traditionellen Kostümen jener Zeit sollten, wie es in der Bibel beschrieben wird, entlang eines Mauleselswegs, den Kreuzweg darstellen.
Einige Wege im Gemeindebereich kamen dafür in Frage, aber schließlich fiel die Entscheidung auf Castelletto: auf der "Piazzetta dell' Olivo" (Olivenbaum-Platz) sollte der Kreuzweg beginnen und über die Gassen "Via Crosera", "Via Sapel" und "Via Treca" bis hinauf zum kleinen Weiler "Biasa" gehen. Diese Wegstrecke mit den antiken Pflastersteinen, den mittelalterischen Steinhäusern mit wunderschönen Toreingängen, den Laubengängen und Gewölbekellern in den Innenhöfen, ist nicht nur ein kleines Juwel der Gemeinde; sie animiert geradezu, sie zu einem Kreuzweg zu nutzen. Vor allem, das letzte steile Stück von Biasa mit dem darunter liegenden Olivenhain gibt einem das Gefühl den realen Leidensweg Christus zu verfolgen.
Don Adelino Sala, Seelsorger der Pfarrei von Giovanni Battista (Magugnano/Brenzone), an den sich die Urheber dieses religiösen Projekts gerichtet hatten, unterstützte sofort diese wunderbare Möglichkeit einer Kongregation der gesamten Bevölkerung. Gemeinsam mit Don Giuseppe Boninsegna, zu jener Zeit Pfarrer der Geimende von Castelletto und Schwester Augustangela die das Institut der "Kleinen Schwester der Heiligen Familie" in Castelletto vertrat, bereitete er ein Programm vor. Dank seiner Beziehungen gelang es ihm einen katholischen und einen evangelischen Geistlichen einzuladen. So konnte man auch deutschsprachige Touristen miteinbeziehen.
Wegen der Kostüme und der szenischen Effekte richtete sich der Fremdenverkehrspräsident direkt an die Arena von Verona, die das eigene Material auch bereitwillig zur Verfügung stellte. Renato Donatini vom Fremdenverkehrsamt leitete die technische Organisation der Szenografie mit Freiwilligen des Ortes für die Rollen der Statisten.

Die einzelnen Kreuzwegstationen sollten möglichst originaltreu, d.h. den Beschreibungen der Heiligen Schrift entsprechend, nachgestellt werden. So wurde z.B. während der "Via Crucis" die gesamte Stromversorgung an der Wegstrecke unterbrochen und durch 50 kleine Feuerstellen die mit einer Mischung aus Sägemehl und Petroleum geschürt wurden, ersetzt. Der Standort dieser Feuer wurde in Abendproben zusammen mit den kostümierten Komparsen genau studiert; der Schein dieser schwach flackernden Lichtern entlang der "Via Crucis" verlieh den Torbögen, Innenhöfen, Olivenhainen, etc. eine eigenartige Atmosphäre.
Dieser Eindruck wurde durch die akustische Untermalung mit geistlicher Musik, die dem erfahrenen Chor von Cadidavid (Verona) anvertraut wurde, noch verstärkt.
An Ostern 1972 fand also die "Premiere" der Brenzoneser "Via Crucis"-Serie statt. Die Abendmesse wurde von der Piazzetta dell' Olivo ausgehend entlang der Wegstrecke sozusagen unter freiem Himmel zelebriert. Bei jedem "lebenden" Bild erinnerten die Geistlichen Don Adelino und Don Giuseppe sowie der Pfarrer und ein Pastor aus Deutschland an das Martyrium Christi. Die enorme Beteiligung der Bevölkerung übertraf jede Erwartung: eine schier endlose Lichterkette (jeder Teilnehmer bekam vor Beginn eine Kerze mit farbigem aufgesetzten Windschutz) zog langsam, von Gebeten und heiligen Gesängen des Kirchenchors begleitet, an den mit dem "klassischen" Licht der Feuerstellen beleuchteten Kreuzwegstationen bis nach Biasa hinauf, wo die Kreuzigung selbst dargestellt war.
Auf Grund des großen Zuspruchs bei Einheimischen und Touristen widmete die Region Veneto in den kommenden Jahren dieser religiösen Veranstaltung größere Aufmerksamkeit.
1973 gelang es Sergio Vernesoni mit Hilfe des damaligen Landrats für Tourismus Prof. Piero Nichele und des Fremdenverkehrsdirektors von Malcesine Herrn Vittorio Dapretto, einen direkten Zuschuss von ca. 40-50 Millionen Lire zu erhalten. Mit diesem Geld wurden 80 Absperrgitter, eine mobile 20qm große Tribüne, 2 Podeste für den Chor und weiteres wichtiges Zubehör für die Prozessionen zu organisieren und so wurde er Regisseur der weiteren "Via Crucis di Brenzone" bis in die Anfänge der neunziger Jahre.
Dem Organisationstalent Dapretto gelang es auch -leider nur für einige Jahre- eine richtige theatralische Interpretation des biblischen Textes mit Schauspielern am Dorfplatz von Biasa vorzuführen.

Der große Erfolg der Brenzoneser Via-Crucis-Prozessionen trug auch dazu bei, daß nach 1973 diverse Veranstaltungen der "Kar- und Osterwoche an der Olivenriviera" ins Leben gerufen und koordiniert wurden.
Dank der finanziellen Disponibilität des Komitees "Riviera degli Olivi" und der Sensibilität seines Präsidenten Herrn Gianfranceschi, und auch dank der Kontaktfähigkeit des Direktors der "Azienda di Soggiorno" von Malcesine Herr V. Dapretto entwickelten sich in den siebziger Jahren religiöse Partnerschaften mit auswärtigen Orten; weitere Initiativen dieser Art entfalteten sich auch an anderen Orten des Gardasees.
Brenzone und Malcesine hatten auf Grund der Aktivitäten von Don Adelino Sala über viele Jahre hinweg die Möglichkeit, die ganze Saison über Messen zweisprachig (deutsch / italienisch) zu zelebrieren.
Die "Via Crucis di Brenzone" und andere religiöse Initiativen an der frühlingshaften "Olivenriviera" fanden auch ein breites Echo sowohl im Fernsehen wie auch in der In- und Ausländischen Presse.
Trotz der häufigen Wechsel der Pfarrer in Castelletto (zuerst Don Giuseppe Boninsegna, 1974 Don Flavio Arcozzi, 1981 Don Floriano Giarole, 1989 Don Claudio Turri und 1994 Don Luigi Marogna) und der damit verbundenen Probleme wurde die organisatorische Verantwortung für lange Zeit von den geistigen Vätern der Via Crucis, Erich Rausch und Sergio Vernesoni, selbst getragen. Außerdem waren Don Adelino Sala für die Beziehungen zu Deutschland, Vittorio Dapretto für das Fremdenverkehrsamt, Schwester Augustangela für das Institut der "Kleinen Schwester der Heiligen Familie", Renato Donatini für die örtliche Organisation zuständig; nicht zu vergessen sind die zahlreichen freiwilligen Helfer und die Gemeindeverwaltung.

In den achtziger Jahren traten Sergio Vernesoni und Vittorio Dapretto aus den jeweiligen Fremdenverkehrsämtern aus, Erich Rausch wurde zum gleichen Zeitpunkt von einer schweren Krankheit getroffen und dazu kam ein neuer Pfarrer in die Pfarrei von Castelletto: diese Fakten trugen zu einer Pause in den Jahren 1980 und 1981 bei.
Doch bereits 1983 nahm man dank der Gemeindeverwaltung, der Pfarrei von Castelletto und vor allem dank des unverwüstlichen Willens zahlreicher Freiwilliger die "Via Crucis" wieder auf.
Langsam erreichte sie wieder ihre Originalform.
In den neunziger Jahren konnten sogar mit Hilfe des Fremdenverkehrsamts der "Riviera degli Olivi" einige Kostüme gekauft werden.
In den letzten Jahren entwickelte sich die "Via Crucis" wie zu alten glorreichen Zeiten, auch dank der "Pro Loco von Brenzone", die im April 1994 gegründet wurde. Mit Unterstützung der Gemeindeverwaltung wurden neue technische Mittel für Licht und Ton gekauft, um diese einmalige religiöse Bedeutung noch ergreifender zu gestalten.
 


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